Automatik-Ölwechsel durchführen

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Mercedes schreibt vor, spätestens alle 60tkm das Öl samt Filter im Automaten zu wechseln, bei starkem Hänger- oder Stadtbetrieb auch eher. Man sollte sich an diese Wartungsanweisung halten, wenn man länger Spaß an seinem Automaten haben will.

Beim Ölwechsel soll - wie bei allen Arbeiten - auf Sauberkeit geachtet werden, damit kein Dreck die empfindliche Hydraulik im Automaten stören oder zerstören kann. Man benötigt ATF in der vorgeschriebenen Qualität und Menge, näheres steht in den Reparaturanleitungen, einen Ölfilter, eine Ölwannendichtung und zwei Dichtscheiben. Während man das Öl überall im Zubehörhandel kaufen kann, sollte man beim Filter und den Dichtungen aufpassen, daß man passende Teile erhält. Die Ölwannendichtungen sind bei 722.3 und 722.4 unterschiedlich, die beiden Dichtringe (einer für den Wandler und einer für die Ölwanne) sind ebenfalls unterschiedlich, im Zweifelsfalle also bei der nächsten Vertragswerkstatt kaufen.

Am besten stellt man den Wagen mit warmem Getriebe auf eine Grube oder Hebebühne und reinigt Getriebe und Ölwanne von unten. Dann dreht man den Motor mit einer 27er Nuß an der Kurbelwellenriemenscheibe soweit, bis die Ölablaßschraube des Wandlers unten sichtbar ist. Wenn man alleine ist, nimmt man einfach einen großen Schraubenzieher und dreht den Motor am Wandler direkt durch, bis die Ablaßschraube erscheint. Dann stellt man ein größeres Gefäß unter, der Automat faßt - in Wandler und Ölwanne - bis zu sechs Liter Öl und das spritzt, wenn es aus dem Wandler läuft. Also die 5mm Innensechskantschraube aus dem Wandler herausdrehen und die Suppe ablaufen lassen.

Die Schraube aus der Ölwanne ebenfalls herausdrehen und Öl ablaufen lassen. Wenn kein Öl mehr kommt, die Ablaßschraube der Ölwanne wieder locker (handfest) hineindrehen und die Ölwanne selbst abschrauben, das darin verbliebene Öl (ca. ein halber Liter) ausgießen. Mit einem sauberen und fusselfreien Tuch die Ölwanne auswischen. Ein leichter silbergrauer Belag auf dem Boden ist unkritisch, größere Flocken oder harte Teile lassen auf fortgeschrittenen Verschleiß im Automaten schließen. ATF hat einen typischen Geruch, auch das alte Öl sollte so riechen. Riecht das Öl hingegen verbrannt, so sind vermutlich Schäden an den Bremsbändern entstanden, die in Kürze den Weg zum Instandsetzer erfordern werden.

Den Ölfilter wechseln, drei Kreuzschrauben halten ihn am Getriebe. Die beiden Ablaßschrauben mit jeweils neuem Dichtring einschrauben, die neue Dichtung auf der Ölwanne befestigen und die Wanne wieder anschrauben. Hierbei sehr vorsichtig vorgehen, die Schrauben SW13 werden nur mit 8Nm angezogen, also nur lau gegenziehen, nicht anknallen. Zu fest gezogene Schrauben verziehen die Ölwanne, so daß es später zu Undichtigkeiten kommt und sich das ATF auf dem hinteren Fahrzeugboden verteilt. Das ist häßlich und stört auch den TÜV.

Wenn alles zugeschraubt ist, füllt man durch die Peilstaböffnung mit einem kleinen Trichter und einem Sieb (Schmutzeintrag vermeiden) wieder Öl in den Automaten. Die ersten vier Liter werden zügig eingefüllt, dann den Motor starten und einmal alle Schaltstufen durchschalten. Anschließend das Öl soweit auffüllen, bis das noch kalte Öl bei laufendem Motor ca. 20mm unter der MIN-Marke steht. Diese Prozedur steht auch ganz ordentlich in den Reparaturanleitungen beschrieben. Die erforderliche Füllmenge unbedingt einhalten, nicht überfüllen, überfülltes Öl wieder ablassen oder absaugen.

Eine schöne Beschreibung des Ölwechsels im Automaten samt einiger erläuternder Fotos dazu verfaßte Thorsten 250TD [M] in diesem Beitrag vom 23.10.2004.

Autor: Christian Martens