Automatik-Anfahren im ersten Gang

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Während die Automaten am Dieselmotor immer im ersten Gang anfahren, schalten die Automaten am Ottomotor im Stand in den zweiten Gang und fahren auch im zweiten Gang an. Dies soll die Kriechneigung an der Ampel verringern, viele Mercedesfahrer stört jedoch diese Eigenart. Der verkürzte Steuerdruckzug ermöglicht ein Anfahren im ersten Gang, indem man Halb- bis Dreiviertelgas gibt und die Bremse löst. Es ist auch möglich, im zweiten Gang anzurollen und dann durch zügiges Gasgeben - kein Vollgas, kein kick down nötig - in den ersten Gang zurückzuschalten.

Eine weitere Methode, den Automaten zum Anfahren im ersten Gang zu überreden, ist folgende: Im Stand bewegt man den Wählhebel einmal auf "2" und wieder zurück auf "D". Der Automat schaltet dadurch in den ersten Gang und fährt im ersten Gang los. Mit werksmäßiger Einstellung des Steuerdruckzuges muß man jedoch Vollgas geben, damit der Automat nicht sofort nach dem Los"rollen" (hoppla, auf geht's) wieder in den zweiten Gang schaltet.

Die saubeste Methode zum Anfahren im ersten Gang ist das Überbrücken des Übergas-Schalters. Man fährt damit ab einer Halbgas-Fußstellung praktisch immer im kleinsten, möglichen Gang und verbleibt dort bis in den Begrenzer des Kraftstoffpumpenrelais, eben wie bei Übergas. Die Charakteristik einer so modifizierten Kombination Motor/Automatic hat nur noch sehr wenig mit dem gemeinsam, was Mercedes ab Werk ausgeliefert hat, zeigt aber, was in so einem Antreib mit Automatic steckt.

Bereits kleine Gaspedalbewegungen bewirken ein Herunterschalten und Vollgas ein Festhalten des Ganges, es wird also hektischer aber auch hurtiger im Vortrieb. Vollgas bei 80km/h bewirken bei meinem 300TE beispielsweise ein "spontanes" Herunterschalten aus dem IV. in den II. Gang, Ausdrehen des Motors bis ca. 6500/min und dann Hochschalten in den III. Gang. Die Schaltvorgänge selbst sind dabei wesentlich harmloser, als bei einem mit dem Fuß ausgelösten "Kick-Down", da bei der überbrückten Schaltung der Automat das Signal ja schon bekommen hat, bevor der Motor Vollgas bekommt. Es wird also nicht erst beschleunigt und dann heruntergeschaltet, sondern erst geschaltet und dann beschleunigt oder zumindest beides fast gleichzeitig, was irgendwie besser kommt und den Antriebsstrang weniger belastet.

Ob man dieses Schaltverhalten benötigt oder wünscht, ob es unter irgendwelchen Gesichtspunkten sinnvoll ist, möge bitte jeder selbst entscheiden. Ich brauche es nicht jeden Tag, aber es ist schon beeindruckend, was aus so einem "Opa"-Auto wird, wenn man es läßt. Ich habe den E/S-Schalter für die Überbrückung des Übergasschalters verwendet, da ich die E-Stellung in all den Jahren (außer zu Testzwecken) nie verwendet habe. Das E steht nun nicht mehr für economy sondern eher für emergency und das S steht weiterhin für Standard.

Übrigens ist im Porsche 928 das 722.1- und später das 722.3-Getriebe von Mercedes verbaut worden und die Jungs über'm Teich, bei denen jede rote Ampel das Startsignal zu einem Beschleunigungsrennen ist, haben diese Tricks zur Perfektion entwickelt. Eine interessante Seite mit technischen Tips für 928-Fans ist Greg Nichols' site Porsche 928 Maintenance Tips and Procedures - a great source of information on Porsche 928 in general and the Mercedes Benz AT in particular. Look for the section "Getting 1st Gear Starts" and some other nasty tricks :-)

Autor: Christian Martens