Bezug Fahrersitzlehne instand setzen

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Servus!

Jeder kennt den durchgescheuerten Stoff an der linken Wange der Fahrersitzlehne. Bei meinem war es nach 500tkm soweit, die Fasern waren durch und die graue Kaschierung leuchtete bereits daumennagelgroß.

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(Bild: Fahrersitzlehne - Bezug durchgescheuert)

Der Lehnenüberzug ist bei Mercedes nicht mehr zu bekommen. Beim Autoverwerter und Aktionshaus ist dieser Überzug sehr selten und wenn, dann sind diese in einem noch schlechteren Zustand als meiner. Darum habe ich mich entschieden nur den entsprechenden Stoffstreifen zu ersetzt.

Meinen originalen blauen Polsterstoff mit dem Fischgrätmuster habe ich beim Autopolsterer bekommen (hat Mercedes auch nicht mehr). Einen Farbunterschied zwischen alt und neu kann man praktisch nicht erkennen.

Im Folgenden beschreibe ich, wie ich bei meinem Überzug den entsprechenden Stoffstreifen ersetzt und genäht habe (ich habe so etwas zum ersten Mal gemacht).

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(Bild: Überzug)

Wenn der Überzug vor einem liegt, sieht man, dass man eigentlich „nur“ drei Nähte aufmachen muss. eye rolling smiley

1. Keder 2. Kartonstreifen unten 3. Naht zum Mittelteil (karo)

Nachdem ich den Überzug von hinten gesehen hatte, dachte ich mir: „Good Night Vienna, wenn’st das aufmachst, kriegst das nie wieder hin“. Bis zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht mal was ein Keder ist oder wie man den herstellt. Außerdem habe ich gesehen, zur Mitte hin ist ein Anzugstreifen mit Metallösen, weiter oben ein Schaumstoff und auf der anderen Seite auch noch der Stoff für die Pfeife mit genäht. Und bei der Kedernaht ist der Nesselstoff mit genäht. kotz

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(Bild: Überzug von hinten)

Im Nachhinein kann ich sagen, das bekommt man wieder hin, aber nur wenn man vorher alles vollständig markiert und vor dem Nähen alles vollständig heftet!

Mein Vorgehen: 1. Pfeifenpolster rausziehen 2. Markierungen anbringen 3. Keder auftrennen 4. Kartonstreifen abtrennen 5. Mittlere Naht auftrennen 6. Schablone herstellen 7. Ausschneiden und heften 8. Feststeppen auf alten Teil 9. Mittlere Naht nähen 10. Keder nähen 11. Kartonstreifen annähen


Hier die einzelnen Schritte mit Bildern und Kommentaren

Pfeifenpolster rausziehen

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(Bild: Pfeifenpolster rausziehen)


Markierungen anbringen

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(Bild: Markierungen)

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(Bild: Markierungen)

Auch die Nähte mit Filzstift nachfahren, damit man sie später wiederfindet!

Keder auftrennen

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(Bild: Keder auftrennen)

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(Bild: Keder auftrennen) Achtung: Der Keder ist am äußeren Teil geheftet. Diese Heftung nicht aufmachen!

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(Bild: Keder aufgetrennt) Keder nur soweit wie nötig aufmachen!

Kartonstreifen abtrennen

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(Bild: Kartonstreifen abtrennen)

Kartonstreifen abtrennen 003.jpg

(Bild: Kartonstreifen abtrennen) Naht nur soweit wie nötig aufmachen!


Mittlere Naht auftrennen

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(Bild: Mittlere Naht auftrennen)

Mittlere Naht auftrennen 003.jpg

(Bild: Mittlere Naht auftrennen)

Achtung: Heftungen für den Anzugstreifen nicht irrtümlich öffnen!

Mittlere Naht auftrennen 005.jpg

(Bild: Mittlere Naht auftrennen)

Der Anzugstreifen verbleibt auf dem alten Stoffstreifen.

Mittlere Naht auftrennen 012.jpg

(Bild: Mittlere Naht auftrennen - Heftung Anzugstreifen bleibt)


Schablone herstellen

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(Bild: alter Stoff verzogen) Weil der alte Stoff verzogen ist, habe ich eine Schablone hergestellt, damit das Fischgrätmuster wieder gerade ist.

Schablone herstellen 010.jpg

(Bild: Schablone herstellen)


Ausschneiden und heften

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(Bild: Anzeichnen)

Ausschneiden und heften 002.jpg

(Bild: Ausschneiden)

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(Bild: Heften)

Weil mein neuer Stoff keine Kaschierung hat, habe ich den neuen Stoff auf den alten geheftet und den alten als Kaschierung verwendet. Das hat auch den großen Vorteil, dass ich dann alle Markierungen wieder hatte. Meine Befürchtung, dass die eine oder andere Stoffschicht Falten wirft, ist nicht eingetreten.

Feststeppen auf alten Teil

Nun kommt die ganz normal alte Haushaltsnähmaschine von Oma zum Einsatz. Die hatte keine besonderen Nadeln und auch keinen besonderen Fuß.

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(Bild: Haushaltsnähmaschine)

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(Bild: Feststeppen) Mit einer einfachen Naht habe ich den alten und den neuen Stoffstreifen mit der Nähmaschine miteinander vernäht. Dazu die Naht außerhalb(!) der eigentlichen Naht setzen, sonst würde man diese dann später sehen!

Mittlere Naht nähen

Jetzt die mittlere Naht sorgfältig manuell heften. Dazu sind alle Markierungen wichtig, auch die für die Naht selber!

Mittlere Naht heften 001.jpg

(Bild: Mittlere Naht heften)

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(Bild: Mittlere Naht heften)

Am besten mit Klemmen mithelfen! Zur Kontrolle wie die Naht aussehen soll, hat man ja noch immer die zweite Seite um nachzusehen.

Mit der Nähmaschine die mittlere Naht von unten (beim Karton beginnend) nach oben nähen. Schwierig ist die Stelle, wo Nähte zusammenkommen, aber sogar meine alte Nähmaschine hat es geschafft. Im oberen Teil ist ein Schaumstoffpolster. Wenn dieser zu stark am Nähmaschinenfuß bremst, dann ein Blatt Papier mit nähen.

Keder nähen

Vor der Naht mit dem Keder hatte ich den meisten Respekt. Den alten Keder habe ich wieder verwenden können, er ist noch in einem guten Zustand. Wie gesagt, auf den einen Stoffteil ist er ja schon lagerichtig geheftet.

Auch hier gilt wieder: vorher alles manuell zusammenheften. Durch den Keder kommt man mit Hand und Nadel nicht gut durch. Darum hab ich hier nicht durch den Keder geheftet, sondern nur außen die Stoffteile, aber das genügt.

Jetzt folgt das eigentliche Nähen des Keders mit der Nähmaschine.

Keder n hen 003.jpg

(Bild: Keder nähen)

Ich habe keinen eigenen Kederfuß (dieser hat eine Rille unten für den Keder und führt somit automatisch) für die Nähmaschine. Ich habe zwar mit der Nähmaschine die Naht gezogen, aber dabei nur am Handrad gedreht. Somit brechen keine Nadeln, man hat genug Zeit um alles zu richten und man kann der Markierung schön nachfahren. Das geht völlig unspektakulär, also nicht elektrisch fahren!

Das Ergebnis ist vom Originalkeder nicht zu unterscheiden.

Keder n hen 001.jpg

(Bild: Keder genäht)

Kartonstreifen annähen

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(Bild: Kartonstreifen nähen) Hier nur händisch durch die alten Löcher im Kartonstreifen den Stoff wieder annähen.


Fertig:

Sitz montiert 002.jpg

(Bild: Sitz montiert) Keine Falten, die Naht sieht sauber aus!

Gruß aus Wien
Christian

Im Original und im Zusammenhang hier im W124-Forum nachzulesen.