Kaufberatung-Fahrwerk

Aus W124-Archiv
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Das Fahrwerk des W 124 war für seine damalige Zeit revolutionär und extrem auf Fahrkomfort ausgelegt. Jedoch unterliegen auch diese Teile einem gewissen Verschleiß, der sehr stark von den Einsatzbedingungen abhängig ist. Daher werden hier bekannte Probleme des Fahrwerks angesprochen.

  1. Die Vorderachse
    Die Vorderachse der Modellreihe 124 besteht aus Dämpferbeinen, Dreiecksquerlenkern sowie separat angeordneten Schraubenfedern. Ein Querstabilisator sorgt für eine verbesserte Bodenhaftung der Vorderräder.
    • Die Traggelenke
      Sollte es beim Einfedern oder beim Überfahren von Unebenheiten (z.B. Bordsteinkanten oder Temposchwellen) aus dem Bereich der Vorderachse knarzen und quietschen sind höchstwahrscheinlich beide Traggelenke tauschwürdig. Der Tausch sollte nicht mehr als 200€ in einer Fachwerkstatt kosten. Ein Einstellen der Spur ist danach je nach Reparaturmethode nicht erforderlich. Mit dieser Reparatur sollte man allerdings nicht zu lange warten, da bei einem defekten Traggelenk die Gefahr besteht, dass das Rad führungslos im Radkasten herumschlägt. Dass das für die Fahrsicherheit und den Rest des eigenen Wagens nicht sehr förderlich ist, leuchtet jedem ein. Daher mit dieser Aktion nicht allzu lang warten! Wenn man schon mal dabei ist, lohnt sich auch ein Blick auf die Gummibuchsen der Querlenker die schwächen zeigen.
    • Spiel in der Lenkung
      Im 124 ist eine Kugelumlauflenkung verbaut. Ab einer gewissen Kilometerzahl (vielleicht so ab 350tkm) vergrößert sich das Spiel im Lenkgetriebe, so dass ein Austausch irgendwann sinnvoll erscheint, da es auf Dauer keinen Spaß macht bei schneller Fahrt mit Lenkwinkeln wie ein Busfahrer zu korrigieren und es bei schlechten Wegstrecken nervige Klappergeräusche von sich gibt. Jedoch sollte man vor dem Austausch des Lenkgetriebes erst mal die übrige Lenkgeometrie prüfen. Teilweise ist das Spiel auch durch ausgeschlagene Spurstangen, Lenkzwischenhebel o.ä. bedingt. Sollte dies in Ordnung sein, kann man das Spiel im Lenkgetriebe auch einstellen. Leider machen dies nur wenige Werkstätten und dies sollte bereits frühzeitig geschehen, da irgendwann nicht mehr genug Einstellweg vorhanden ist, um das Spiel zu beseitigen. Dann hilft nur noch ein neues Lenkgetriebe, welches bei DC 1500€ kostet. Irgendwie kommt mir das doch bekannt vor...
    • Poltergeräusche
      Zum großen Teil kommen Poltergeräusche an der Vorderachse von ausgeschlagenen Stabi-buchsen. Ein Tausch dieser Gummibuchsen ist relativ einfach und kostengünstig zu bewältigen.
    • Motorlager
      Die Motoren des 124 sind über 2 seitliche Motorlager mit der Karosserie verbunden. Diese Lager sind mit Öl gefüllt, um eine größtmöglich Abschottung des Innenraums von Vibrationen oder anderen Geräuschen zu erreichen. Irgendwann hat sich das Öl verflüchtigt und die Lager sind durch die Last des Motors zusammengedrückt und der Motor liegt an der Karosserie an, so dass sämtliche Schwingungen übertragen werden. Sollten also im Leerlauf oder beim Abstellen des Motors Schwingungen im Innenraum wahrnehmbar sein, scheint es Zeit für einen Austausch der Motorlager. Beim 2. Tausch der Motorlager, kann man auch das Getriebelager mitwechseln (ca. 50€).
  2. Die Hinterachse
    Der Mercedes besitzt eine sehr aufwendige Raumlenker Hinterachse mit Einzelradaufhängung. Zur Abfederung dienen Schraubenfedern und hydraulische Stoßdämpfer. In der Mitte befindet sich das Differential. Dies ist mit 4 Gummilagern befestigt.
    • Schlechter Geradeauslauf
      Je nach Zustand des Fahrwerks wird teilweise ein schlechter Geradeauslauf festgestellt. Die Ursache liegt meist an den verschlissenen Streben (5 je Seite) der Hinterachse. Diese gibt es im Reparatursatz komplett für beide Seiten von [www.te-taxiteile.de TE-Taxiteile] relativ günstig für 200€. Eine Erneuerung sollte bei hohen Kilometerleistungen prophylaktisch in Erwägung gezogen werden, da der Verfall an Fahrwerksteilen ja schleichend abläuft und man dies dadurch kaum bemerkt. Nach der Erneuerung der Streben, wunderten sich die Betroffenen Fahrzeugführer wie komfortabel und exakt sich die Hinterachse des W124 plötzlich verhält. Dies stellt also einen echten Komfortgewinn dar.
    • Niveauregulierung
      Während bei den T-Modellen die Niveauregulierung serienmäßig verbaut war, konnte sie bei allen übrigen Fahrzeugen als Extra bestellt werden. Diese sehr praktische Sonderausstattung verhindert bei sehr starker Beladung das Einsinken des Fahrzeughecks. Eine Funktionsprüfung ist relativ einfach durchzuführen. Man nehme 2 - 3 kräftige Männer und setze diese in den Kofferraum. Nun stellt man den Motor an und wenn sich das Heck des Fahrzeuges hebt, funktioniert die Niveauregulierung. Wenn nicht, dann halt nicht. Sollte das Federungsverhalten der Hinterachse sehr hart sein und der Wagen an der Hinterachse ein wenig hoch stehen, sind mit großer Wahrscheinlichkeit die Federspeicher (Bulleneier) defekt. Ein Austausch ist nicht billig, aber immer noch billiger als ein Tausch der sehr teuren Stoßdämpfer der Niveauregulierung, die aber dafür so gut wie nie kaputt gehen. Weiterhin sollte auf die Dichtigkeit der Hydraulikleitungen sowie die Leichtgängigkeit der Regulierstange - welche für die Regulierung der Fahrzeughöhe verantwortlich ist - unter dem Fahrzeugheck geachtet werden.
    • Hardyscheiben
      Diese Hardy- oder auch Gelenkscheiben sind für die Elastizität des Antriebsstranges verantwortlich. Ist deren Gummi stark rissig oder gibt es bei Lastwechseln schlagende Geräusche müssen diese Scheiben ausgetauscht werden. Zum Thema Schlagen bei Lastwechseln lies auch den Abschnitt "Differential"!
    • Differential
      Wie bei allen Mercedes Fahrzeugen ist das Hinterachsdifferential nur äußerst selten trocken. Meist sifft es ein bisschen, was aber normal ist, solange keine großen Öltropfen daran hängen. Wie sagt man in Mercedes Kreisen so schön: "Ist das Diff trocken, ist es leer!". Also immer schön auf den Ölstand achten! Sollte das Differential Geräusche von sich geben, gibt es von Mercedes einen Zusatz (Teilenummer: A0009898203), der der Geräuschminderung dienen soll. Dieser Zusatz ist zwar eigentlich für ASD Fahrzeuge gedacht, funktioniert aber auch bei normalen Differentialen. Wenn das nicht mehr hilft, scheint ein Austausch des Differentials ratsam, da ein singendes Diff irgendwann auch blockieren kann und dies unter Umständen zu brenzligen Situationen führen könnte. Ab einer gewissen Laufleistung von sagen wir mal 250tkm ist es ratsam die Gummibuchsen des Differentials zu erneuern, da dadurch Geräusche beim Lastwechsel verschwinden.
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