Scheinwerfer renovieren

Aus W124-Archiv
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Irgendwann, nach vielen Jahren, kommt einem nachts auf der Landstraße plötzlich der Gedanke, daß die Scheinwerfer auch nicht mehr das sind, was sie einmal waren. Früher waren die doch heller?! Oder liegt es an den eigenen Augen? Nein - auch der /die Beifahrer/in meint, daß das Licht nicht das beste ist. Nun ja, so ist das eben mit alten gebrauchten Autos, könnte man meinen...

Es lohnt sich, die Scheinwerfer einmal einer genaueren Prüfung zu unterziehen. Nach 10 Jahren oder mehr ist die Streuscheibe von außen gesandstrahlt, von innen verdreckt und die Reflektoren sind matt. So ist das Leben.

Streuscheibe reinigen

Wenn die Streuscheibe außen noch nicht allzu matt ist, reicht es, sie zu reinigen. Dazu muß der Scheinwerfer aus- und die Streuscheibe abgebaut werden. Dann von innen mit fusselfreiem Tuch - der alte Bettbezug tut hier seinen letzten Dienst - und Glasreiniger säubern. Man ahnt gar nicht, was sich da alles im Laufe der Zeit ablagert.

Eine Empfehlung der besonderen Art ist die Geschirrspülmaschine - damit bekommt man viele Teile des Fahrzeuges, eben auch die Streuscheiben, sehr gut gereinigt, aber meist fängt man sich heftigen Ärger mit der Chefin ein. Ein Kollege aus dem W123-Forum hat sogar einmal Montag morgens die Streuscheiben im Geschirrspüler seines Arbeitgebers gereinigt. Mit sehr gutem Reinigungsergebnis, wie er schrieb, der Job jedoch, aber der war sowieso nur begrenzt :->

Es gibt die Möglichkeit, eine von außen matte Streuscheibe zu schleifen und polieren. Man benötigt hierfür jedoch entsprechende Werkzeuge und Materialien, die es nicht im Autozubehör gibt, dafür jedoch im Großhandel für Juweliere. Vermutlich steht der finanzielle und zeitliche Aufwand, den man hier treiben müßte, in keinem Verhältnis zum Kauf von neuen Streuscheiben. Aber: es ist machbar.

Streuscheibe auswechseln

Wenn die Streuscheibe nicht mehr zu retten ist, dann sollte man sie wechseln. Die Teile kosten ca. 50 € und sind im Zubehör oder bei DC erhältlich. Vielleicht kann man ja das ausrangierte Glas an jemanden weitergeben, der seine Streuscheibe komplett verloren hat, und dadurch den eigenen finanziellen Aufwand reduzieren.

Es gibt zwei Ausführungen der Steuscheiben bis zur zweiten Modellpflege 1993: Vor der ersten Modellpflege 1989 war der Kunststoffkragen grau, danach silbrig. Man kann die Streuscheiben beliebig austauschen, wenn man es lieber silbrig auf dem alten Fahrzeug hat - kein Problem und umgekehrt auch nicht.

Dann gibt es noch die Streuscheiben des 500E, da ist der Kunststoffkragen verchromt, was dem Scheinwerfer ein deutlich helleres Aussehen gibt. Die Streuscheiben des 500E sind jedoch mit den anderen nicht ohne weiteres austauschbar, da der 500E statt der Nebenscheinwerfer Fernscheinwerfer hat (die Nebelscheinwerfer hat der 500er in der Stoßstange montiert). Eine Anleitung zum Umbau auf 500E-Scheinwerfer gibt es auch.

Nach der Modellpflege 1993 sind die Streugläser wegen der veränderten Form des Kühlergrilles (Plakettenkühler) nochmals geändert worden. Während man die Scheiben mit den älteren Modellen nicht austauschen kann, sind die Gehäuse selbst wohl dieselben geblieben.

Mit der guten Streuscheibe (gereinigt oder neu gekauft) steht man dann vor dem ollen Reflektor (den Zusatzscheinwerfer lassen wir ersteinmal außen vor). Staub und lose Ablagerungen kann man vorsichtig abwischen, wenn der Reflektor aber matt ist, sollte man ihn wechseln. Der Versuch, den Reflektor mit Lappen und Putzmittel zu reinigen, führt unweigerlich zum Exitus der Beschichtung.

Reflektor wechseln

Der Reflektor des Hauptscheinwerfers ist von Hella oder Bosch bereits für 35 € zu bekommen, bei DC ist er etwas teurer. Wenn man den Scheinwerfer bereits auf der Werkbank hat, ist das Wechseln des Reflektors eine Sache von drei Minuten. Mit einem kleinen Schraubenzieher vorsichtig die Betätigungsstange des Pneumatikelementes ausklinken, dann die Kreuzschlitzschraube herausdrehen und den Reflektor in Richtung Fahrzeugmitte herausnehmen.

Gummidichtung erneuern

Hat man gelegentlich von innen beschlagene Streuscheiben, waren die Reflektoren oder die elektrischen Kontakte bereits angerostet, so kommt Wasser in den Scheinwerfer, das dort nichts zu suchen hat. Für kleines Geld erhält man bei DC die Dichtungen zwischen Streuscheibe und Scheinwerfergehäuse und auch die des hinteren Deckels. Wenn man sowieso dabei ist, alles auseinanderzureißen, sollte man hier nicht sparen.

Neue H4-Leuchten

Auch die H4-Leuchten altern und irgendwann fallen sie aus. Wenn man schon dabei ist, sollte man auf beiden Seiten neue Leuchten einbauen. Dabei sind die besten für die Lichtausbeute die, die als +30 oder +50 von Osram oder Phillips verkauft werden. Keine "Allwetter", "Bluelook" oder sonstwelche gefärbten Leuchten, die sind nur auf Schoweffekte aus und bieten weniger Lichtausbeute.

Es gibt auch - für den Motorsporteinsatz und ohne Straßenzulassung - Leuchten mit höherer Leistung, als die 50W/65W, das ist jedoch im Bereich der StVO nicht zugelassen und außerdem meistens Geldschneiderei, da diese Leuchten problemlos das Doppelte der "normalen" kosten.

Es gibt im übrigen eine legale Methode, die Lichtausbeute der vorhandenen Scheinwerfer zu steigern:

Die Relais-Lösung

Wenn man bei eingeschalteter Beleuchtung den Spannungsabfall von der Batterie zum Scheinwerfer mißt, wird man sich wundern: an der H4-Leuchte, Kl. 56b für das Abblendlicht, kommet nur ca. 90% der Batteriespannung an! Nur als Beispiel soll die folgende Messung dienen:

Bei stehendem Motor habe ich an zwischen dem Pluspos (Kl. 30) der Batterie und der Fahrzeugmasse (Kl. 31) am Scheinwerfer 11,7V, zwischen dem brennenden Abblendlicht (Kl. 56) und Masse nur noch 10,3V gemessen. Also ein Verlust von 1,4V, entsprechend 12%.

Bei laufendem Motor (Leerlaufdrehzahl) habe ich an der Batterie 13,0V und am brennenden Abblendlicht 11,4V gemessen. Also ein Verlust von 1,6V, entsprechend ebenfalls (gut) 12%.

Jetzt kommt mir keiner damit, daß er bei seinem Wagen 0,5V mehr gemessen hat, das macht den Kohl nicht fett. Ich will mich auch nicht auf absolute Werte festlegen, vielmehr kommt es auf den prozentualen Verlust an.

Die Spannung, die irgendwo auf dem Weg Batterie-Sicherung-Schalter-Scheinwerfer-H4-Leuchte völlig nutzlos in Wärme umgewandelt wird, fehlt einfach beim Ausleuchten der Straße. Steckt man nun die teuren Rallye-Leuchten mit 90W/100W in die Sockel mit der originalen Verkabelung, so wird der Spannungsabfall noch größer sein, das Ergebnis der Investition ist fast nicht zu spüren.

Die Lösung: Man nimmt ein (bzw. zwei) Relais und schaltet über die bisherige Lichtleitung ein direktes dickes Kabel von der Batterie. Damit eleminiert man die o.g. Leitungsverluste und holt das letzte Quentchen Leistung aus der serienmäßigen Beleuchtungseinrichtung.

Wenn man sich ansieht, was man mit neuen Reflektoren und Streuscheiben sowie der vollen Batteriespannung an ordentlichen H4-Leuchten für eine Lichtausbeute erzielen kann, so braucht man kein Xenon- oder HID-Licht, um nachts hervorragend sehen zu können. Falls doch, sollte man vielleicht den Augenarzt aufsuchen :-)

Scheinwerfer einstellen

Nach diesen ganzen Basteleien sollte man die Scheinwerfer ordnungsgemäß einstellen lassen. Dafür gibt es in jeder Werkstatt entsprechende Geräte und meist kostet es auch nichts, insbesondere im Herbst, wenn wieder Beleuchtungswochen sind.

Gerade mit maximaler Lichtausbeute sollte es selbstverständlich sein, daß man für die korrekte Einstellung der Scheinwerfer sorgt, damit andere Verkehrsteilnehmer nicht geblendet werden.

Autor: Christian Martens